Karriere eines pelzigen Weihnachtsgeschenk

22. Dezember, Mist wir brauchen ja noch ein Geschenk für Klein-Otto. Ach, der wollte doch immer einen Hund. Wo bekommen wir den nur so schnell an. Züchter anrufen, die erklären alle, also so kurz vor Weihnachten, man habe schließlich Wartelisten für die Tiere und überhaupt würde man sich die zukünftigen Besitzer gerne mal anschauen. Also wirklich, als wenn man keine gute Familie wäre, der Hund hätte sogar einen eigenen Fernseher.

23. Dezember, im Tiergeschäft geschaut. Irgendwie guckte die Verkäuferin so komisch, dabei weiß man genau, vor einigen Jahren verkauften die noch Welpen. Heute nicht mehr, die armen Tiere in den Boxen, das war doch gar nicht schön. Mag ja sein, aber aber wir brauche noch ein Geschenk. Die sollen sich außerdem nicht so haben, schließlich sei der Kunde König.

24. Dezember, nach dem am Abend vorher die Kleinanzeigen durchgegangen worden sind, hat man jemanden gefunden. Ja, Hundewelpen habe man, und welch ein Glück, normalerweise würde man diese ja erst mit zehn Wochen abgeben, aber dieser Welpe sei ja ausgesprochen frühreif und so selbständig, den könne man sofort haben. Also schnell hingefahren, Welpe geholt, noch kurz gewundert, warum die Hundemutter so müde aussieht, aber egal, Geschäft ist Geschäft. Außerdem gefreut, normalerweise kostet ein Labradorwelpen ja mindestens 1000 Euro, der hier war ein echtes Schnäppchen, nur 500 Euro. Ok, Papiere gibt es nicht, aber wir wollen ja nicht züchten. Das das eine Auge tränt, wäre nicht schlimm, man habe vergessen gestern das Fenster zu schließen.

24. Dezember, mit dem Geschenk unterm Weihnachtsbaum war man natürlich der Brüller. Und sah ja auch so süß aus. Dumm nur, das man nicht weiß, was Welpen so fressen, aber dafür gibt es ja Internet und nach den ganzen Lebkuchen war dem Hund eh schlecht und er hat sich übergeben. Morgen kann man immer noch gucken.

25. Dezember, 1 Uhr Nachts: An dem Hund muss was kaputt sein, der läuft ständig aus.

25. Dezember, 7 Uhr, Schei…., ich wollte ausschlafen. Jetzt jault der Hund die ganze Zeit. Och nö.

25. Dezember, 11 Uhr, die Kinder haben Spaß mit dem Hund. Immerhin, mir reicht es langsam. Die brauchen auch noch spezielles Welpenfutter und auf der Seite stand noch was von Impfungen. Naja, mal sehen.

25. Dezember, 15 Uhr. Auf zu Oma. Aber was nun mit dem Hund? Aus dem Pappkarton kommt er ja oben nicht raus.

25. Dezember 21 Uhr. Schön war es bei Oma. Nicht so schön das nach Hause kommen. Der Hund hat den Karton zerlegt und überall in der Wohnungen sind Pfützen und Haufen. Die Kinder müssen ins Bett, draußen regnet es, und ich Depp muss mit dem Hund raus.

26. Dezember, der Hund jault, seine Verdauung mag die Nudeln nicht (Geschäfte haben noch bis morgen geschlossen, Welpenfutter gibt es also nicht), und die Kinder spielen nun lieber mit ihrer Playstation. Der Hund tut einem schon irgendwie leid, am besten, man bringt ihn nach Silvester in ein Tierheim, und er bekommt eine bessere Familie …. Dem Tierheimmitarbeiter kann man ja was von einer Allergie erzählen, auf die tolle Ausrede ist bestimmt noch niemand gekommen …

Die Fortsetzung kann sich jeder vorstellen.

Möglich wäre aber auch:

Die Familie liebt ihn abgöttisch, Welpenfutter ist kein Problem, an so Dinge wurde vor Geschäftsschluss gedacht. Alle kümmern sich um ihn, er kommt regelmäßig raus, alle wollen es ihm so toll wie möglich machen. Nach Silvester, wurde selbstverständlich zu Hause gefeiert, um das neue Familienmitglied nicht zu ängstigen, geht es dann mit dem Welpen zum Tierarzt. Das tränende Auge wird nicht besser und geimpft wurde er ja auch noch nie und das war immer die erste Frage der anderen Hundebesitzer.

Beim Tierarzt kommt dann schnell raus, das das vermeidliche Schnäppchen keins war und hohe Folgekosten auf einen zukommen. Denn der Verkäufer hat wohl Hunde nur am Fließband produziert. Hätte man mehr Zeit gehabt und nicht so einen Druck vor Weihnachten, wäre man bestimmt nicht auf ihn reingefallen …

Merke:

Vorher informieren! Tiere sind schon gar kein Spontangeschenk!

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